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Anmerkung vorweg:
Ich verwende hier als Gleichnis „Fink und Frosch“ von Wilhelm Busch, da diese Fabel meiner Meinung nach wirklich hervorragend beschreibt, welchen Weg ich (wie viele andere Neulinge auch) gehen musste.
Auch bei anderen Nachwuchsautoren oder jenen, die es werden wollen, habe ich im Gespräch ähnliche Fehler im Denken entdeckt, die auch mich zurückgehalten haben. Da ich jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger eine „thou shall not!“-Predigt halten möchte, werde ich diesen (und auch alle späteren) Texte rein aus meiner eigenen Perspektive schreiben.
Vielleicht hilft es ja trotzdem dem ein oder anderen Jungautoren.

Am Anfang war ein Ego


Ich denke, mein Wille zu schreiben ist ähnlich gekommen, wie bei vielen anderen auch. Den zündenden Funken stellte bei mir zwar eine Klassenarbeit dar, aber endgültige Formen nahm es erst so zwei Jahre später an.
Vielen wird die Grundsituation wohl bekannt sein.
Man liest ein Buch nach dem nächsten; verschlingt sie und blüht in ihnen auf. Manche Geschichten dürfen nicht enden und werden nach dem Lesen weitergesponnen. Und eines schönen Tages klappt der hoffnungsvolle Jungautor in Spe ein Buch zu und sagt: „Dat kann ick och!“
Unterstützt von jugendlicher Selbstüberschätzung also setzte ich mich an meinen Schreibblock und ließ den Füller darüber kratzen. Gleich dem Frosch klang mein Quaken in meinem inneren Ohr wie die schönste Musik eines Singvogels. Ich fühlte mich wie Gottes Geschenk an die Menschheit.
Die maßlose Fehleinschätzung meiner Fertigkeiten erwies sich als ein hervorragender Motivator und schnell hatte ich meinen ersten Roman fertig – knapp 200 Seiten. Und schon folgte der zweite, der es auf beachtliche 380 Seiten brachte.
Freunde und Klassenkameraden überschlugen sich vor Begeisterung und Lob und das Ego wuchs und wuchs. Aber auch hier finde ich mich im Frosch der Fabel wieder, denn zu viel Selbstbewusstsein kann auch ungesund werden. Mein Bauchklatscher trug den Namen „Wolfgang Hohlbein Preis“. Eine Ausschreibung Anfang des Jahrhunderts, in der unter Schirmherrschaft besagten Autors nach Nachwuchstalenten gesucht wurde.
Die Absage meines 380-Seiten Machwerks kam sehr schnell und gnadenlos. Heutzutage, unter Berücksichtigung von alledem, was ich inzwischen gelernt habe, kann ich dazu nur sagen: Kein Wunder. Ich habe damals die, ja, Standardfehler eines Jungautoren begangen, der meinte, eine Idee und ein paar hundert gelesene Bücher würden ausreichen, einen großen Verlag von sich zu begeistern.
1. Ich habe nur auf die Kritik von Freunden und Klassenkameraden gehört.
2. Ich habe mein Werk unreflektiert, unlektoriert und unkorrigiert eingesendet.
3. Ich habe die Ausschreibungsvorgaben nicht beachtet
Allein die letzten beiden Punkte dürften dafür gesorgt haben, dass ich es noch nicht einmal über den ersten, flüchtigen Blick hinausgeschafft habe. Übrigens das, woran die meisten Autoren scheitern.
Der Dämpfer hat dafür gesorgt, dass ich tatsächlich eine Weile lang das Schreiben sein ließ. Ich war – zu Unrecht – tief gekränkt. Im Nachhinein gestehe ich offen: Die Geschichte mag zwar was taugen, aber die Ausführung ist stümperhaft gewesen.
Dies zu realisieren war eine meiner härtesten Aufgaben im Leben: Ich bin kein Wunderkind. Eine Idee reicht nicht aus. Und was begeisterungsfähige Freunde gut finden, muss noch lange nicht „gut genug“ sein.

Ich darf jetzt aber auch nicht behaupten, dass alles aus dieser Zeit „schlecht“ war. Im Gegenteil: vier meiner damaligen Gedichte haben es zur Veröffentlichung geschafft. Auch wenn man hier das Manko anführen muss, dass der Gedichtewettbewerb der „Deutschen Gedichtebibliothek“ vorrangig dazu dient, die Lehrgänge zu verkaufen, so denke ich, unter die 2% der Einreichenden zu kommen, die auch am Ende veröffentlicht werden, ist trotz allem eine Leistung.
Mit einiger Planung, Überarbeitung und ehrlicher Selbstkritik sind die Werke aus dieser Zeit auch durchaus zu gebrauchen. Mein aktueller Roman, den ich auch gerne als Debüt sehen möchte, entstammt dieser Zeit und bekommt aktuell den handwerklichen Schliff, den er einfach verdient, um aus „Freunde finden es gut“ ein „Verlage finden es gut“ zu machen.

Am Anfang stand ein übergroßes Ego. Das Gefühl, alles zu können und von Natur aus perfekt zu sein. Negative Kritik fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht und ich habe sie auch gerne als „Neidreaktion“ abgetan – mein Werk bis aufs Blut verteidigt.
Ich habe die Ohren verschlossen, auch vor den hilfreichen Kritiken. Unbewusst habe ich mich nur an jene gewandt, die mein Ego streichelten. Realismus heißt, seine eigene Schwäche einzugestehen; und dazu war ich damals nicht bereit. Es hat mich viel Zeit gekostet, die notwendige Kritikfähigkeit für eine gute Zusammenarbeit mit Lektoren zu erlernen. Heute weiß ich, wie viel Potenzial ich damals verschwendet habe.
Auch wenn ich den minimalen Trost habe, dass ich nicht der Bildungsschicht entstamme und daher zumindest während der ersten Jahre niemanden hatte, an den ich mich hätte wenden können. So ist es letztlich doch keine Ausrede dafür, dass auch ich lieber den einfachen Weg gegangen bin, statt mich der harten Realität zu stellen.

Der Weg zum erfolgreichen Autoren ist auf jeden Fall ein schmerzhafter. Denn jedes Mal, wenn jemand das heiß geliebte Werk kritisiert, fechte ich neuerlich den Kampf gegen mein inneres Kind aus, das nicht kritisiert werden will, das sich für perfekt hält.
Aber inzwischen suche ich auch gezielt die härtesten Lektoren, denn nur so lernt man etwas. Und wenn man einmal tief durchgeatmet hat und Wut und Frust runter gekämpft hat, stelle ich fast immer fest, dass die Werke durch diese Kritik an Wertigkeit gewinnen.
Schließlich bin ich nur ein Mensch. Und Menschen machen Fehler.
Ich motiviere mich in solchen Momenten gerne mit einem Spruch: „Der Meister ist weit öfters gescheitert, als der Schüler es jemals versucht hat.“
Scheitern und Fehler gehören zum Leben dazu. Die Kunst ist es, wiederaufzustehen und es mit einer realistischen Sicht auf sich selbst immer wieder zu versuchen, während man die Fehler nach und nach findet und ausmerzt.