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Kurzgeschichten und die Ausschreibungen


An erster Stelle fragt man sich als Autor natürlich: warum sollte man Zeit und Aufwand in Kurzgeschichten investieren? Anthologien finden nur mäßigen Absatz; Tantiemen gibt es fast nie bzw. sie fallen so mau aus, dass selbst das Finanzamt sich totlacht, wenn man sie in der Steuererklärung mitangibt, und an große Verlage kommt man damit auch nicht ran – nur an kleine und mittlere (oder schlimmer noch: unseriöse, die unerfahrene Autoren locken wollen).
Der Autor mit Leidenschaft für diese Textform fragt sich, warum Anthologien eigentlich so schlecht laufen? In Amerika z.B. sind sie ein riesiger Markt; gerade der Horrorbereich ist hier sehr gut aufgestellt. Aber andererseits sind in Deutschland auch z.B. Kurzserien im Fernsehen eine „neue“ Erscheinung, was in Amerika auch schon lange anders ist. Von daher sollte man vielleicht einfach sagen, dass uns die Amerikaner da ausnahmsweise mal voraus sind?
Meine persönliche Vermutung ist, dass wir in deutschen Schulen zu sehr dahingehend erzogen werden, Kurzgeschichten ausschließlich als Teil Höherer Literatur zu sehen: Eine Kurzgeschichte muss eine Kritik sein, etwas Bedeutendes aussagen, aktuelle oder allgemeine gesellschaftliche Probleme thematisieren, eine Moral besitzen. Sie hat also nichts in der Trivialliteratur zu suchen.
Ist das wirklich so?
Nein. H. P. Lovecraft z.B. hat das meisterlich bewiesen, indem er ein ganzes Universum von Kurzgeschichten geschaffen hat. Kurzgeschichten – gerade in Phantastik und Horror – erlauben dem Autoren eine ganz andere Intensität des Schreibens. Aber das scheint in Deutschland noch nicht so recht gewürdigt zu werden.

Also zurück zur eigentlichen Frage: Warum sollte man sich mit Kurzgeschichten und Ausschreibungen aufhalten?

Für mich sind sie ein wesentlicher Bestandteil des Autorendaseins geworden. Man kann sich ungeniert an den Charakteren austoben. Aber, und das ist noch viel wichtiger, man kann sich an ihnen üben und ausprobieren: Neue Genres versuchen, die eigene Dramaturgie und Schreibe in einem überschaubaren Rahmen verbessern.
Wie der aufmerksame Leser sich erinnert, ist meine neuerliche Leidenschaft mit einer Kurzgeschichte wieder aufgeflammt. Bei „Die Staffel“ handelt es sich um eine Phantastikgeschichte aus dem Cthulhuversum. Tatsächlich war sie als einmaliger Ausflug in die Welt der Phantastik gedacht, jedoch kam es anders. Wie sich herausgestellt hat, besitze ich ein überraschend gutes Händchen für phantastischen Horror. Ein Großteil meiner bisher veröffentlichten bzw. in Veröffentlichung befindlichen Geschichten sind phantastischer Horror oder beinhalten einige Elemente davon.
Ein wesentlicher Punkt liegt für mich also auf der Hand: Ich kann verschiedene Genres austesten und ein „verborgenes Talent“ entdecken.
Außerdem kann man Charakterkonzepte, Weltenkonzepte, Dramaturgiekonzepte oder einfach fixe Ideen so ausprobieren. Hier schlägt – für mich – die Aufwandsrechnung ins Gewicht: eine Kurzgeschichte hat bei mir i.d.R. zwischen 10 und 40 Seiten. Wenn sich während dieser begrenzten Seitenzahl herausstellt, dass es doch nicht so funktioniert, wie es soll, sind eben nur maximal diese wenigen Seiten verschwendet – während bei einem Roman noch die ganze Planungszeit und Vorarbeit zu Buche schlägt.

Aber ganz für sich allein genommen sind Kurzgeschichten nicht lohnend, das stimmt. Nur in Kombination mit Ausschreibungen von Verlagen können sie ihr gesamtes Potenzial entfalten.
Warum sollte man an Ausschreibungen teilnehmen, selbst wenn meistens maximal ein Freiexemplar dabei rausspringt?
Also meine Erfahrungswerte hier sind durchweg gut.
Ich habe durch Ausschreibungen viele nette Leute kennen gelernt – Autoren, Lektoren, Herausgeber und Verlagsmitarbeiter. Menschen, die mich eine Zeitlang an die Hand nahmen, mir hilfreich zu Seite standen und stehen und nicht mit hilfreicher Kritik hinter den Berg halten.
Aber es gibt auch ganz pragmatische Gründe für mich bei Ausschreibungen mitzumachen.
1. Es übt verstehendes Lesen und gibt einen ersten groben Einblick, wie man sich bei Verlagen bewirbt oder vorstellt.
2. Manche Anthologiethemen geben neue Denkanstöße, Ideen oder verleiten mich dazu, mein Näschen in neue Genres zu stecken.
3. Der Lerneffekt. Zu nahezu jeder Anthologie gehört auch ein (mehr oder minder) professionelles Lektorat und Korrektorat. Mit jeder Geschichte, die man bei Ausschreibungen einsendet, lernt man neue Details zum Handwerk Schreiben. Man bekommt eigene Schwächen und Fehler aufgezeigt und kann sich also verbessern. Auch hier gilt: bei 10-30 Seiten ist das schmerzärmer als bei einem Roman.
4. Man übt seine eigene Kritikfähigkeit und Selbstreflexion. Jedes Lektorat tut mir persönlich irgendwo weh. Je mehr der Lektor findet, umso schlimmer ist es. Gerade wenn es die Gewohnheiten betrifft, die man bei sich selbst als „eigenen Stil“ erlebt. Aber wie der Lateiner so schön sagt: „Repetitio est mater studiorum“ (Wiederholung ist die Mutter des Lernens); durch die regelmäßigen Lektorate bekommt man (schlimmstenfalls) immer wieder die gleichen Sachen aufgezeigt und durch das ständige Korrigieren dieser lernt man geradezu nebenbei, diese Fehler selbst zu erkennen und zu vermeiden. (Bestenfalls lernt man es beim ersten Mal …)
Die Selbstflexion ist hier auch ganz wichtig. Zumindest mir wurde auf diese Weise beigebracht, dass ich nicht so perfekt bin, wie ich es gerne sein möchte. Ich lernte im Laufe diverser Lektorate, realistisch einzuschätzen, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Dadurch kann ich viel gezielter und nachhaltiger an meinen Geschichten arbeiten, um sie möglichst gut hinzubekommen. So spare ich den Lektoren Arbeit, was mich als Autor wiederum interessanter für Verlage macht.
5. Publictiy. Der größte Wert, den man aus Ausschreibungen zieht, ist die Aufmerksamkeit von Verlagen und Lesern. Man baut sich eine Bibliographie auf, wird von einem unbeschriebenen Blatt zu einem Autoren, dessen Kurzgeschichten schon Verlage und Leser überzeugt haben. Ein Roman lässt sich besser an den Verlag bringen, wenn dieser sieht, dass man anscheinend das 1x1 der Zusammenarbeit mit Verlag und Lektoren beherrscht. Je mehr verschiedene Verlage dabei auftauchen, umso deutlicher zeigt man seinen Mitarbeitswillen und seine Anpassungsfähigkeit. Und umso eher entscheidet ein Verlag sich, Geld und Risiko in einen Autoren zu investieren. Idealerweise kommt man bei einem Verlag unter, der über Ausschreibungen schon positive Erfahrungen mit dem Autoren sammeln konnte.
Gleichzeitig kann man sich so der Leserschaft vorstellen. Kurzgeschichten lassen sich eigentlich ganz gut bewerben – z.B. über Leseproben oder nach Ablauf der vertraglichen Bindung bzw. mit Einwilligung des Verlags als komplette Onlineversion, z.B. eingelesen und auf youtube online gestellt. Die Werbemöglichkeiten sind dank des Internets mannigfaltig und lassen viel Freiraum für Kreativität. Ich z.B. gebe von allen meinen veröffentlichten Kurzgeschichten eine kostenlose Hörprobe der ersten Seiten. Hierbei werden gleich mehrere Medien als „Einzugsgebiet“ genutzt.

Natürlich sollte man, wenn man sich entschließt, bei Ausschreibungen teilzunehmen, auch auf verschiedene Dinge achten.
Es ist schon einmal ganz gut, wenn man sich ein wenig über den Ausschreiber informiert. Es gibt leider auch hier schwarze Schafe, die mit diesen Ausschreibungen unerfahrene Autoren locken wollen, etwas von ihnen zu kaufen. Anthologien werden nicht beworben oder die Autoren sollen / müssen eine bestimmte Menge abnehmen. Oder, oder, oder.
Hier vertraue ich auf mein Bauchgefühl. Es gibt auch Seiten, Foren und FB-Gruppen, in denen man sich informieren und austauschen kann. Grundsätzlich achte ich bei Ausschreibungen darauf, wie das Verlagsprogramm aussieht – Teilnahmen an Messen sind auch immer ein ganz gutes Indiz, dass der Verlag seine Aufgabe ernst nimmt. Die Ausschreibungstexte und AGB geben auch gute Hinweise – man sollte als Autor auf jeden Fall immer aufmerksam lesen.
Dies gilt aber auch schon, um seine Chancen bei der Ausschreibung zu verbessern. Bei den ersten zwei Ausschreibungen, an denen ich teilnahm, habe ich die Ausschreibungstexte nicht richtig gelesen, bzw. nicht beachtet. Beide Male kam mein Beitrag nahezu stante pedes zurück. Die Ausschreibungstexte stellen auch die Erwartungen der Herausgeber an die Autoren dar – und zumindest ich persönlich bin der Meinung, dass ich als Autor zum verstehenden Lesen fähig sein muss. Daher ist es besonders wichtig, die Texte zu lesen und sich auch an die Vorgaben zu halten; manche Herausgeber schauen darüber hinweg, wenn man eine der Vorgaben übertritt, aber viele sortieren hier rigoros aus.
Von daher lese ich die Ausschreibungstexte immer und immer wieder. Manchmal mache ich mir sogar ein paar Stichpunkte, die ich an meinen Arbeitsplatz lege. Das musste ich auf die harte Tour lernen: Die Ausschreibung zur Aeronautica besagte „maximal 5000 Wörter“. Aus einem unerfindlichen Grund war ich der Überzeugung, es handele sich um ein Maximum von 6000 Wörtern – was in der entsetzlichen Aufgabe endete, am Ende statt 200 ganze 1200 Wörter aus meiner Geschichte herausschreiben zu müssen. Dank einer wirklich engagierten Lektorin und dem wohl härtesten Lektorat meiner bisherigen Laufbahn habe ich es geschafft und sogar den Weg in die Anthologie gefunden. Glimpflich ausgegangen, aber auch im wahrsten Sinne des Wortes ein heilsamer Schock.

Für mich persönlich sind der Lerneffekt und die Publicity die wichtigsten Gründe, an Ausschreibungen teilzunehmen. Ich möchte gerne einen großen Verlag von meinen Romanen überzeugen, von daher muss ich natürlich mit fortgeschrittenem schreiberischen Handwerk auftrumpfen und kann mir keine Anfängerfehler leisten. Immerhin ist die Konkurrenz hier, gelinde ausgedrückt, riesig. Die Wahrscheinlichkeit, über den ersten, flüchtigen Blick des Postöffners hinauszukommen, ist auch so schon verhältnismäßig gering.
Aber letztlich tragen alle diese Punkte, die ich für mich persönlich als gute Argumente für Ausschreibungen ausgemacht habe, dazu bei, dass ich daran teilnehme. Okay, ich gestehe offen, ich kann auch einfach die Finger nicht davon lassen. Wenn ich eine gut klingende Ausschreibung lese, dann muss ich einfach daran teilnehmen.
Mein persönliches Fazit lautet, dass ich gerne an Ausschreibungen teilnehme und es auch zukünftig noch machen werde – soweit meine Zeit und Muse es zulässt. Ich habe durch diese so viele Erfahrungen gesammelt und nette Menschen kennen gelernt – und so viele Ideen dadurch bekommen und umgesetzt. Für mich sind Kurzgeschichten sicherlich alles, aber keine Zeitverschwendung.