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Achtung! Dieser Text enthält Sarkasmus und sollte nicht zu 100% ernst genommen, sondern teils mit einem Augenzwinkern verstanden werden.

Rechtschreibung


Ein Thema wie ein Hornissennest. Ich habe schon so manche hitzige Diskussion darüber erleben dürfen und auch sehr verhärtete Fronten. An und für sich finde ich es eigentlich seltsam, dass man tatsächlich heute noch über Rechtschreibung diskutieren muss.
Sie ist der beste Freund und der erbittertste Feind des Autoren. Spätestens seit der NDR wissen viele gar nicht mehr, wo der Hase nun eigentlich langläuft.

Also erst einmal – wie so oft – die Fakten:
Es gibt eine gültige Rechtschreibung in Deutschland – diese muss zwingend für alle Lehr- und Beamtenbereiche eingehalten werden. Heutzutage gilt die sogenannte „Neue Deutsche Rechtschreibung“ (NDR), die ältere Semester ganz liebevoll eine „Verschlimmbesserung“ nennen. Ungeachtet dessen, was die selbsternannten klugen Köpfe sich dabei gedacht haben, wurde diese NDR nach reichlich viel Heckmeck in Deutschland eingeführt und ist seitdem gültig. Jedes offizielle Schriftstück muss darin verfasst sein – was man privat macht, ist egal.
Und im Verlagswesen?
Grundsätzlich gilt die NDR auch hier, wobei sie vor allem im Kinderbuch- und Jugendbuchbereich besonders hart überprüft wird und die Verlage vom Gesetzgeber dazu gezwungen werden, sie einzuhalten. Das muss auch so sein, damit die armen Schüler nicht durch das Lesen eine falsche Rechtschreibung lernen.
Weiterhin haben die Deutschen Verlage sich darauf geeinigt, dass der Duden, als führendes Sammelwerk Deutscher Grammatik und Rechtschreibung, für jegliche Fragen in diesem Bereich herangezogen wird und nach seiner „Empfehlung“ gehandelt wird.
Grundsätzlich kann man sich auch zu 99,9% auf den Duden verlassen – nur manchmal braucht man einen Übersetzer. Aber das kennt man ja vom Beamtendeutsch.
Also eigentlich ist hiermit alles gesagt.
Sollte man meinen.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie leidenschaftlich man darüber diskutiert, ob man sich als Autor jetzt eigentlich an die NDR halten soll, oder ob die Rechtschreibung unter „künstlerische Freiheit“ zählt.
Wie immer: ich stelle hier lediglich meine Meinung dar und behaupte nicht, die Wahrheit gepachtet zu haben. Aber ich denke, ich gehe differenziert genug an die Sache ran (auch wenn ich ehemaliger Lateinschüler bin).

Tja, wie sehe ich das?
Erst einmal sehe ich mich als Autor in der Pflicht, mir zu überlegen, was meine Leser von mir erwarten bzw. was ich tun muss, damit sie mich als Autoren ernst nehmen.
Ich kann aus eigener Erfahrung und aus dem Austausch mit anderen Lesern sagen: Ein Leser erwartet ein fehlerarmes Buch. Rechtschreibfehler, Tippfehler und Grammatikfehler stören den Lesefluss und können in großer Zahl einen Leser gewaltig nerven. Manchmal sogar so sehr, dass er das Buch weglegt. Und was würde unser Lehrer dazu sagen: Setzen, sechs. Durchgefallen.
Gut, man kann natürlich auch hier auf den Trash-Effekt setzen und das Buch so mit Fehlern überschwemmen, dass es schon wieder kultig ist, aber wenn man nicht gerade ein großer Verlag oder ein großer Autor ist, wird es in der Regel nicht so gut aufgenommen von den Lesern. Das ist leider so. McCaffreys „Petaybee“-Trilogie hätte es auf Deutsch mit all den vielen Fehlern darin niemals in mein Regal geschafft, wenn es eben nicht meine Lieblingsautorin wäre und das Fehlersuchen ihrem trockenen Schreibstil mit einem gewissen Reiz versehen hätte. Trash-Effekt muss man sich also leisten können.
Warum aber reagieren Leser so schlecht auf Fehler? Ganz einfach: wir alle haben in der Schule gelernt, wie ein Wort auszusehen hat. Lesen ist ja ein eher passiver Vorgang, bei dem durchschnittlich nur jedes dritte bis sechste Wort aktiv wahrgenommen wird – den Rest setzt sich das Hirn aus der reinen optischen Form zusammen, ohne die Wörter wirklich zu „lesen“. Wenn ein Wort dann nicht so geschrieben ist, wie das Gehirn es kennt, kollidieren Realität und Wahrnehmung miteinander und das Hirn stockt. Gratulation, du hast deinen Leser aus seiner Traumwelt gerissen. Sollte man nicht – wenn man zu oft bei einer Tätigkeit gestört wird, kommt irgendwann der Frust und das war's dann. Kennen wir alle.
Ich setze also bei meiner Arbeit voraus, dass ich als Leser mich selbst als Autoren ertragen können muss. Wenn ich als Leser einen Anspruch habe, den ich als Autor nicht erfülle, dann läuft doch irgendetwas gewaltig schief in meiner Welt, oder nicht? Ich bin nach relativ einfachen Credos erzogen worden. Eins davon ist: man sollte nichts von anderen erwarten, was man selbst nicht zu leisten gewillt ist. Das versuche ich natürlich in meiner Arbeit als Autor umzusetzen. Und, das glaubt mir mal, ich bin ein leicht zu entnervender Leser.

Ich persönlich habe den großen Vorteil, dass ich (wie oben erwähnt) Latein in der Schule hatte. Ich habe also den „Intensivkurs Deutsche Sprache“ durchgemacht, den man so ausschließlich in Latein oder bei einem sehr guten Deutsch Leistungskurslehrer bekommt. Ja, das ist als Autor ein großer Vorteil, denn man bekommt Hintergrundwissen über die Sprache beigebracht, das man sich sonst nicht im Schulalltag aneignet.
Ergo bin ich schon recht streng in meinen Ansprüchen an die Rechtschreibung. Wenn ich also jemanden die Rechtschreibung als „Unsinn“ bezeichnen höre, reißt mir schon mal die Hutschnur. Diese Regeln sorgen immerhin dafür, dass wir alle Bücher lesen können, die wir lesen möchten. Jetzt stelle man sich mal vor, jeder schreibt nach eigenem Gutdünken … Nicht ohne Grund verschwindet das „Schreiben nach Gehör“ in der Grundschule kurz nach seiner Einführung jetzt wieder.
Natürlich verstehe ich jeden, der noch die alte Rechtschreibung gelernt hat und mit der neuen nicht klar kommt. Ich gehöre zu den armen Sündern, die sich das ganze Chaos der Umstellung antun durften: Das Ja – nein – doch – aber ein bisschen anders – Kommando zurück – aber jetzt! Ich habe in meiner Schul- und Ausbildungszeit vier(!) mal die NDR erlebt, lasst euch das mal auf der Zunge zergehen.
Ich verstehe jeden, der da den Überblick verliert oder überfordert ist. Auch die, die es einfach noch anders gelernt haben. Aber für so etwas gibt es fähige Lektoren, die auch Korrekturen durchnehmen.

Was ich nicht verstehe, ist, wenn sich ein Autor komplett der NDR versperrt.
Vielleicht bin ich hier ein wenig zu streng in meiner Meinung, aber der Beruf eines Autoren beinhaltet nun einmal den Umgang mit der Sprache. Die Sprache ist das Werkzeug. Zur Sprache gehört eben auch die Rechtschreibung. Das nennt sich Berufskompetenz.
Wenn ich einen Autoren sehe, der sich der NDR verweigert, dann stelle ich mir vor, wie das in anderen Berufszweigen wohl kommen mag. Wir erwarten doch auch von dem Akkupunkteur, dass er sich an die „Regeln“ hält und die Nadeln da setzt, wo sie laut Medizin zu setzen sind, und nicht „nach Gefühl“ arbeitet. Oder von einem Architekten, dass er die Statik nach Physik berechnet und nicht nach „künstlerischer Freiheit“, weil die Physik nicht in sein Konzept passt.
Ja, natürlich sind diese Sachen nicht direkt zu vergleichen, immerhin ist Schreiben ja ein künstlerischer Beruf, aber … Ein Bildhauer wird doch auch nicht Hammer und Meißel, Schleifpapier und Steinsäge aus künstlerischer Freiheit ablehnen, wenn es doch die Werkzeuge sind, mit denen er seine Kunst schafft? Oder ein Maler sich weigern, Farben zu benutzen …
Die Rechtschreibung ist ein Werkzeug. Ein Werkzeug, um die Kreation dem Leser zugänglich zu machen. Sie ist wie die Farben, die der Maler nach einem Konsens wählt: Rot für Aggression, Blau für Ruhe – ein Konsens, der dem Betrachter ein Werk erst zugänglich macht. Wenn der Maler sich auf einmal nicht mehr dran hielte, würden die Leute sein Werk nicht mehr verstehen. Und so ist es auch mit der Rechtschreibung. Wenn der Autor so schreibt, wie er will, läuft er Gefahr, dass die Leser ihn auf einmal nicht mehr richtig verstehen.
Sprache ist ein Konsens. Warum ist es also so schlimm, wenn Schrift es auch ist?

Wie gesagt, ich persönlich betrachte die Beherrschung, oder zumindest den Versuch es zu tun, als Teil der Berufskompetenz.
Ich versuche immer, mir möglichst viel Wissen und Kompetenz in meinem Beruf anzueignen. Das mache ich in meinem Job als Verkäufer (was meine Kunden übrigens äußerst zu schätzen wissen. Menschen sehen sich gerne in kompetenter Hand.), aber auch als Autor. Natürlich geht dafür Zeit drauf, die ich lieber ins Schreiben stecken würde, aber andererseits weiß ich, dass ich damit Verlegern und Lesern etwas Gutes tue. Und damit auch mir.
Ich verbringe teilweise lange Zeit damit, Unklarheiten nachzuschlagen; mein Griff geht immer zuerst zum Duden, weil die Verlage sich auch danach richten. Wenn ich es also auch tue, zeige ich, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe. Manchmal muss selbst ich, der ich eine große Vorbildung, gutes sprachliches Verständnis und auch noch Spaß am Lernen von sprachlichen Eigenheiten habe, nach dem Duden erst einmal eine gefühlte Ewigkeit eine Seite oder eine Person finden, die mir das Beamtendeutsch dann erst einmal beispielhaft erklärt. Aber bisher habe ich noch jede Frage, egal wie speziell sie ist, beantwortet bekommen – nach der gültigen NDR.
Ja, es ist Aufwand.
Aber es macht einerseits Spaß. Ich meine, Autor sein ist mein Traumberuf; damit auch der Umgang mit der Deutsche Sprache. Es ist schön, neue Worte zu entdecken. Alte wiederzufinden. Erklärungen für Regeln zu finden, die man bisher rein willkürlich empfand.
Andererseits ist das allseits präsente Wort Berufskompetenz hier mein steter Antrieb. Ich maße mir an ein Autor zu sein. Die Deutsche Sprache mit all ihren Regeln ist mein Handwerkzeug. Wie ein Handwerker auch will ich dieses Werkzeug so gut beherrschen, dass ich am Ende das kreieren kann, was mein Geist sich vorstellt. Es soll nicht an meiner Unfähigkeit mein Werkzeug angemessen zu benutzen scheitern.

Zuletzt steckt natürlich auch ein pragmatischer Grund dahinter, warum ich die NDR und den Duden klaglos anerkenne und, wie manch Autor tatsächlich behauptet, mich dadurch „gleichschalten“ lasse:
Es erhöht meine Chancen, einen Verlag zu finden.
Wie gesagt, es gibt Gesetze, an die die Verlage sich halten müssen. Und es gibt einen Konsens zwischen den Verlagen. Und das sind: NDR und Duden.
Es ist immer wieder faszinierend, wie locker manche Autoren die harten Fakten hinnehmen: es gehen – je nach Größe des Verlags – hunderte bis tausende Manuskripte von „Neuautoren“ bei den Verlagen ein; jahraus, jahrein. 99,x% dieser Manuskripte werden abgelehnt. Die meisten davon schaffen es noch nicht einmal über das erste Augenpaar hinaus! Sie scheitern – neben einigen anderen Fehlern – sehr oft an (ratet mal …) der Rechtschreibung.
Ein Verlag investiert Zeit und vor allem Geld in einen Autoren. In einen Jungautoren sowieso, da ist das Risiko Geld für nichts auszugeben gleich viel größer. Wenn also ein Verlag ein Exposé bekommt, in dem ein Autor die Rechtschreibung als „künstlerische Freiheit“ ansieht, dann heißt das für den Verlag: das Lektorat und Korrektorat sind ungleich teurer. Dazu kommt dann noch der Erfahrungswert, dass Neulinge gerne mal etwas uneinsichtiger sind, was die Überarbeitung ihrer Werke betrifft.
Tja, aus einem rein wirtschaftlichen Standpunkt betrachtet: da schmeißt man wahrscheinlicher das Geld zum Fenster raus, als bei einem Autoren, der sich der aktuellen Rechtschreibung bedient.
Warum?
Hier kommt wieder das böse Wort: Berufskompetenz.
Ich stelle mir gerne vor, ich wäre Verleger (durch meine Erfahrung als Herausgeber fällt mir das ein bisschen leichter) und müsste mich zwischen mehreren Einsendungen entscheiden. Für ein Buch hab ich noch die Mittel frei. Wonach unterscheide ich dann? Zuerst sortiere ich alle Einsendungen aus, die im Kurzexposé schlecht klingen. Ich nehme die Ideen, die gut klingen und gut dargestellt wurden. Bleiben, sagen wir, drei Exposés übrig.
Dann entscheide ich ganz simpel: welcher Autor macht den Eindruck, am besten mitzuarbeiten und die Notwendigkeit von Wirtschaftlichkeit anzuerkennen? Am Ende wird die Entscheidung zugunsten desjenigen fallen, der meine Anforderungen einhält, eine gute Idee hat, möglichst wenige Fehler macht und vielleicht schon ein Händchen für die Stilmittel beweist. Warum? Weil ich bei diesem Autoren entweder ein Naturtalent gefunden habe (sehr selten), oder aber jemanden auswähle, der sich bereits mit der Materie auseinandergesetzt hat und dadurch wohl eher zur Mitarbeit bereit ist.

Künstlerische Freiheit ist immer schön und gut, aber sie ist nicht das Maß aller Dinge.
Schriftsprache hatte schon immer Regeln. Schon in der Antike gab es für die Schriftsprache eine Rechtschreibung. Sie zieht sich durch alle Epochen des geschriebenen Wortes – manchmal mit Unterbrechungen, wenn sich neue Sprachen formten – aber am Ende gab es immer einen Konsens.
Dieser Konsens ist dafür da, damit jeder das Lesen lernen kann. Damit jeder, der das Lesen gelernt hat, auch alle Schriftwerke dieser Sprache lesen und verstehen kann.
Ist es so schlimm, sich als Autor diesem Konsens zu unterwerfen? Man verkauft ja schließlich nicht seine Seele, sondern sorgt gegenteilig dafür, dass die Leser eine Chance haben, das eigene Werk so zu verstehen, wie man es schaffen will.

Mein Fazit: Ich finde die NDR vielleicht nicht unbedingt in jeder Beziehung nachvollziehbar und einiges hat sich dadurch auch eher verschlechtert. Aber sie ist nun einmal der aktuelle Konsens und als Autor sehe ich mich in der Pflicht, meine Erwartungen als Leser zu erfüllen. Wenn ich dafür mal etwas Zeit mit suchen und fluchen verbringe, dann ist das eben so. Am Ende erhöht es doch nur meine Chancen, als Autor ernst genommen zu werden und einen Vertrag zu bekommen.
Sollen die anderen sich doch selbst im Weg stehen, verkleinert die Konkurrenz.

Für alle anderen empfehle ich die Seiten, die für mich unverzichtbar geworden sind:

Onlineduden
NDR Änderungen
Wörtliche Rede
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